Energie aus dem Bodensee
ETAVIS am Seewasser-Wärmeverbund Rorschach beteiligt
In Rorschach entsteht ein Wärmeverbund, der zeigt, wie lokale Energiequellen sinnvoll genutzt werden können. Herzstück des Projekts ist unter anderem die Seewasserzentrale im Seepark. Sie nutzt Wasser aus dem Bodensee als Energiequelle für Wärmepumpen und trägt so dazu bei, umliegende Gebäude mit Fernwärme zu versorgen.
ETAVIS durfte bei diesem Infrastrukturprojekt innerhalb eines Jahres die elektrotechnischen Arbeiten für die Seezentrale übernehmen. Auftraggeberin war die Stadt Rorschach. «Das Projekt war auf den ersten Blick überschaubar. Sobald man aber in die Anlage eintaucht, merkt man schnell: Hier steckt sehr viel Spezialwissen drin», sagt Luca Muzzopappa, Projektleiter bei ETAVIS am Standort St. Gallen.
Elektrotechnik für eine Anlage mit besonderen Bedingungen
Der Leistungsumfang von ETAVIS umfasste die Lieferung und Erschliessung eines Elektroschaltschranks inklusive Einspeisung ab Verteilkasten, die Verkabelung der gesamten Anlage sowie die Erschliessung aller Betriebsgeräte. Hinzu kamen die Erweiterung der Netzwerkkomponenten für den Datenaustausch und umfangreiche Installationen für den Schutzpotenzialausgleich.

Gerade letzterer war bei diesem Projekt zentral. Denn die Seewasserzentrale befindet sich in einem sehr feuchten Umfeld. Der Grundwasserspiegel liegt höher als die Wände des Gebäudes – die Anlage liegt damit gewissermassen «unter Wasser». Für die elektrotechnische Installation bedeutete das: Jede Komponente im Nassbereich musste sauber geerdet und fachgerecht eingebunden werden.
«In einer solchen Umgebung zählt jedes Detail. Es reicht nicht, Kabel zu ziehen und Geräte anzuschliessen. Man muss die Prozesse verstehen, die Umgebung richtig einschätzen und wissen, welche Materialien wie miteinander funktionieren», erklärt Muzzopappa.
Wenn Kabelwege neu gedacht werden müssen
Eine der grössten Herausforderungen lag in der Kabelführung. Viele Geräte standen nicht wie üblich an der Wand, sondern mitten im Raum. Für das ETAVIS-Team bedeutete das, individuelle Lösungen für Kabelkanäle und Leitungswege zu entwickeln. Standardlösungen kamen nur bedingt infrage.
Auch die Materialverträglichkeit war anspruchsvoll. In der Anlage treffen unterschiedliche Metallarten aufeinander. Im feuchten Umfeld kann dies zu galvanischer Korrosion führen, wenn Verbindungen nicht korrekt ausgeführt werden. Deshalb mussten die Anschlussmaterialen der umliegenden Metalle angepasst und die Schnittstellen entsprechend sorgfältig geplant sowie umgesetzt werden.

Hinzu kam die Auswahl der passenden Kabeltypen für eine Prozessanlage. Solche Entscheide erfordern Erfahrung, technisches Verständnis und ein gutes Gespür für die spätere Nutzung der Anlage. «Die Anlage ist kompakt, aber technisch sehr dicht. Viele Gewerke arbeiteten parallel, der Platz war begrenzt und gewisse Arbeiten mussten sehr genau aufeinander abgestimmt werden. Das funktioniert nur, wenn alle mitdenken», beschreibt Muzzopappa.
In Spitzenphasen waren bis zu vier ETAVIS-Fachpersonen vor Ort. Meist arbeiteten ein bis zwei spezialisierte Monteure an der Anlage. Gerade bei Projekten dieser Art ist ein kleines, erfahrenes Team ein Vorteil: kurze Wege, klare Abstimmung und hohe Fachkompetenz direkt auf der Baustelle.
Auch Rückbauarbeiten gehörten zum Auftrag. Unter anderem wurde eine Hauszuleitung umgelegt, wodurch das betroffene Gebäude kurzzeitig stromlos war. Solche Eingriffe verlangen eine präzise Vorbereitung, damit sie sicher und mit möglichst geringer Beeinträchtigung umgesetzt werden können.
Ein Beitrag zur Wärmeversorgung von morgen
Die Seewasserzentrale im Seepark ist Teil eines grösseren Wärmeverbunds, der in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden soll. Bereits bestehende Fernwärmeleitungen in der Region wurden mit der neuen Anlage verbunden. Weitere Zentralen und Anschlüsse sind geplant.
Am Ende steht eine Lösung, die im Hintergrund zuverlässig arbeitet: Sie nutzt eine lokale Energiequelle, unterstützt den Ausbau der Fernwärme und leistet einen konkreten Beitrag zur künftigen Wärmeversorgung in Rorschach. Oder, wie Luca Muzzopappa es zusammenfasst: «Wenn die Anlage läuft und man weiss, was alles dahintersteckt, ist das ein sehr gutes Gefühl. Solche Projekte machen sichtbar, welchen Beitrag unsere Arbeit für eine nachhaltige Infrastruktur leisten kann.»
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